
Februar – ausgebremst in Valtournenche
Der Februar hat mich etwas unsanft daran erinnert, dass auch im Leistungssport nicht alles planbar ist.
Beim SG-Rennen in Valtournenche in Italien habe ich mir ein Knochenödem am Tibiakopf geholt auch als "bone bruise" bekannt. Ein Ödem ist im Prinzip eine Prellung, also eine Fraktur ersten Grades am Unterschenkelknochen. Nichts, was man sofort dramatisch wahrnimmt. Aber genug, um mich für drei Wochen an Krücken zu bringen. Drei Wochen weniger Training. Drei Wochen Geduld. Drei Wochen Kopftraining.
Wenn man zu schnell wieder zu viel will
Wer mich kennt, weiss: Stillstand ist nicht so mein Ding.
Nach kurzer Zeit dachte ich:
„Es tut ja gar nicht mehr richtig weh. Ich kann bestimmt schon wieder ein bisschen mehr machen.“
Spoiler: Verletzungen kennen keine Abkürzungen.
Ich habe wieder einmal gemerkt, wie schnell man als Athletin in dieses „Ich schaffe das schon“-Mindset rutscht. Der Wille ist da. Die Motivation sowieso. Aber der Körper braucht seine Zeit egal, wie sehr der Kopf Gas geben will. Also wurde ich (mal wieder) ein wenig ausgebremst.
Und ja, das war nötig.
Entwicklung ist nicht linear
Was bleibt, wenn das Training wegfällt?
Wenn man plötzlich nicht mehr voll trainieren kann, entsteht Raum. Und dieser Raum kann entweder frustrieren oder genutzt werden. Ich habe mich entschieden, ihn zu nutzen.
In dieser Zeit konnte ich intensiv mit meiner Mentaltrainerin Monika Wicki Hess arbeiten. Und ich habe gemerkt, wie wichtig genau das in solchen Phasen ist. Wenn man körperlich eingeschränkt ist, wird der Kopf umso entscheidender.
Wir haben an Themen gearbeitet wie:
- Vertrauen in den Heilungsprozess
- Geduld statt Druck
- Fokus auf das, was möglich ist und nicht auf das, was fehlt.
Verletzungen testen nicht nur den Körper. Sie testen vor allem die mentale Stabilität.
Kein Weg kennt Abkürzungen
Was ich aus diesem Februar mitnehme?
Es gibt im Leistungssport selten eine Abkürzung.
Heilung braucht Zeit. Entwicklung braucht Geduld. Und „schneller zurück“ ist nicht immer „besser zurück“.
Das Knochenödem hat mich gezwungen, kurz langsamer zu werden. Ich bin wieder im Aufbau, Schritt für Schritt.
Nach Absprache mit meinem Arzt, Siggi Reichenbach aus der Hirslanden Sportmedizin am Bahnhof Luzern, darf ich nun wieder mit dem gezielten Aufbau beginnen. Gleichzeitig hat er mir klar gesagt: Solche Verletzungen brauchen in der Regel rund sechs Wochen, bis sie vollständig ausheilen.
Das ist eine Erinnerung daran, geduldig zu bleiben, auch wenn man sich bereits besser fühlt.
Jetzt kehre ich Schritt für Schritt und mit viel Fokus zur vollen Belastung zurück. Zusammen mit meinem Konditionstrainer Tommy Herzog starte ich in einen gezielten und strukturierten Kraftaufbau und steigere das Training progressiv im Muskelaufbau. Ergänzend dazu unterstütze ich den Prozess mit Physiotherapie in der Sportmedizin Hirslanden im Bahnhof Luzern und mit Ergotherapie bei Anke Göhner.